Samstag, 29. April 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 29. April 1916Die Zucker-Höchstpreise sind für die Stadt Bonn auf 32 Pfg. für gemahlenen, 34 Pfg. für Würfel- und Plattenzucker, 46 Pfg. für Stangenkandis und 50 Pfg. für Würfelkandis das Pfund festgesetzt.

Zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung. Die den Verkehr mit Lebensmitteln bestehenden Uebelstände haben, wie uns ein Telegramm aus Berlin mitteilt, den Minister des Inneren veranlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß die Polizeibehörden das Publikum gegen Ausbeutung und Uebervorteilung beim Einkauf von Lebensmitteln wirksam schützen sollen. Insbesondere wird in dem Erlaß aus die maßlosen Preisforderungen für solche Waren hingewiesen, für welche keine Höchstpreise bestehen, sowie auf das auffällige, plötzliche Verschwinden von manchen Lebensmitteln aus den Verkaufsstellen, so bald eine Begrenzung der Verkaufspreise angeordnet ist. Die gesetzlichen Handhaben seien den polizeilichen Organen in den Gesetzen und Verordnungen über die Höchstpreise, über den Wucher, die Entfernung unzuverlässiger Personen vom Handel u. a. gegeben. Ein voller Erfolg in der Anwendung dieser Vorschriften könne nur durch verständnisvolles Zusammenarbeiten der Gemeindevorstände und Polizeiverwaltungen erzielt werden. Die Aufsichtsbehörden sind angewiesen, in diesem Sinne die erforderlichen Anordnungen zu treffen.

Die Viehmärkte müssen, da die Zentral-Einkaufsbehörde das Schlachtvieh beschlagnahmt hat, bis auf weiteres ausfallen. Der Bonner Schlachtviehmarkt ist schon seit zwei Wochen nicht mehr abgehalten worden. Auch in Köln findet vorläufig kein Viehmarkt mehr statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Charly, der gelehrige Affe der Hagenbeckschen Tierschau, benahm sich in der gestrigen Abendvorstellung kurz vor Beendigung seiner Vorführungen ganz unprogrammmäßig. Er rauchte wie immer mit seinem Herrn eine Zigarre, legte sich ganz manierlich ins Bett und fuhr auch auf seinem Zweirad mehrere Runden durch die Manege. Plötzlich vergaß er jedoch seine gute Erziehung. Er warf sein Rad weg und rannte mit Blitzesschnelle das Abschlussgitter hinauf. Mit kühnem Schwung setzte Charly dann über die Spitzen der Eisenstäbe und kletterte mit affenartiger Geschwindigkeit die Gitterstäbe hinab in den Zuschauerraum. Natürlich gabs großes Hallo, namentlich bei den Damen. Ein Feldgrauer sprang eiligst hinzu und versetzte dem verblüfft dastehenden Affen einen gehörigen Schlag mit seiner Säbelscheide; im nächsten Augenblick wurde Charly von seinem Herrn beim Kragen gefaßt und wieder in die Manege gezogen. Für diese Extratour erntete der Ausreißer stürmischen Beifall.

Die Früchte des Weißdorns als Volksnahrungsmittel. Es kommt in Frage, in diesem Jahre die Früchte des Weißdorns für bestimmte Zwecke der Volksernährung zu verwerten. Um eine möglichst große Ernte zu erzielen, ist es dringend erforderlich, daß in diesem Frühjahre davon Abstand genommen wird, die Weißdornhecken zu beschneiden. Denn durch die Beseitigung der vorjährigen sowie der etwa noch vorhandenen älteren Schösslinge wird der Blütenansatz und somit die Fruchtgewinnung fast vollständig unterbunden. Um der in Aussicht genommenen Verarbeitung einen möglichst hohen Ertrag der Weißdornfrüchte (Mehlbeeren) zuführen zu können, ist weiter beabsichtigt, demnächst die Beeren zu sammeln und gegen angemessene, das Sammeln durchaus lohnende Entschädigung für die in Betracht kommenden Zwecke erwerben zu lassen. Aus dem angegebenen Grunde ist daher in diesem Frühjahre tunlichst vom Beschneiden der Weißdornhecken Abstand zu nehmen. Bekanntlich befinden sich Weißdornhecken in erheblichem Umfange um Gehöfte, Gärten, Weiden, an Bahndämmen, Wegen usw.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Generalversammlung des Vereins Kinderhort-Verband Bonn e. V. fand am 26. April statt. Die bei Kriegsbeginn an die bestehenden vier Mädchenhorte angegliederten Knabenabteilungen und der Kindergarten konnten auch im zweiten Kriegsjahre bestehen bleiben. Die Fürsorge erstreckte sich auf 400 Kinder. An 90 der bedürftigsten Kinder werden Mittagessen verabreicht. Während der Herbstferien blieben Horte und der Kindergarten geöffnet. [...] Im Winter wurde fleißig für die Soldaten gearbeitet. Strümpfe, Fuß- und Brustlappen, Kissen und Pantoffel konnten an die Lazarette abgeliefert werden. Mütternachmittage, die in den einzelnen Horten noch häufiger als zu Friedenszeiten veranstaltet wurden, pflegten die Beziehungen zwischen Hort und Familie. Zur Schulung der Helferinnen fanden von zwei Jugendleiterinnen des Vereins theoretische und praktische Unterweisungen statt. Im Anschluß an den Jahresbericht sprach Fr. Christine Teusch, Köln, über „die deutsche Helferin“. Rednerin zeigte in ihren begeisternden Ausführungen, wie sehr der Hort dazu berufen sei, gute Staatbürger zu erziehen. Die Schäden unserer Volksjugend zu bessern und zu heilen und die echt staatsbürgerlichen Tugenden Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Verantwortlichkeit, Gehorsam, selbstlose Liebe in den Kinder zu erziehen, dies sei die hohe Aufgabe und Pflicht der deutschen Helferin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)