Sonntag, 23. April 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 23. April 1916Die Hagenbeck-Schau hat gestern die Reihe ihrer Bonner Vorführungen mit zwei ihrer Vorstellungen begonnen. Der gute Ruf, den das mit dem berühmten Tierpark in Stellingen bei Hamburg verwandte Unternehmen besitzt, übt, wie vor Jahren schon einmal, auch dieses Mal wieder trotz des Krieges in Bonn seine große Anziehungskraft aus, und schon bei der ersten Vorstellung gestern nachmittag war das große Zelt fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die gebotenen Leistungen entsprechen den Erwartungen, die man mit dem Namen Hagenbeck verbinden kann, und befriedigen die Besucher in hohem Maße. Die erste Nummer, Vorführung einer Gruppe verschiedener Bären, konnte gestern nachmittag allerdings nicht durchgeführt werden. Eines der wilden Tiere zeigte sich sehr störrisch und biß den Bändiger, Herrn Elskamp, in Arm und Bein, so daß diese Vorführung vorzeitig abgebrochen werden mußte. Im übrigen konnte der Spielplan ohne weiteren Zwischenfall durchgeführt werden. Herr Bauer führte zunächst einen Elefanten, ein Pony und einen Pudel und dann sechs allerliebste Zwergpferdchen vor und ließ die Tiere manche Probe ihrer Gelehrigkeit ablegen. Es wurden dann acht große Tiger in die stark umgitterte Manege getrieben, wo die grimmig fauchenden und mit den Tatzen schlagenden Bestien von Herrn Feldmann gezwungen wurden, Pyramiden zu bilden, Sprünge vorzuführen usw. Frl. Schaffeur zeigte sich als glänzende Drahtseilkünstlerin; vor allem ihr Kopfsprung auf dem Seil ist bewundernswert. Von den riesigen sieben Löwen, die Herr Christensen meistert, sind die meisten recht grimmige Tiere, die häufig genug mit Peitsche und Knüppel zum Gehorsam gezwungen werden müssen und dabei in recht beängstigender Weise Miene machen, auf ihren Meister loszugehen. Ein komischer Fangkünstler, der sehr viel Scherben macht, und der wie ein Mensch essende, trinkende, schlafende und radfahrende Affe Charly macht vor allem der Jugend sehr viel Spaß. Als außerordentlich geschickte und kräftige Turnkünstler erweisen sich die vier Damen und der Herr der Orgeritas-Truppe. Ferner werden Kamele und Maulesel sowie eine Gruppe von Elefanten vorgeführt. Die Elefanten zeigen dabei auch, in welcher Weise ihre von Hagenbeck der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellten Artgenossen hinter der Front zu arbeiten verstehen; sie schleifen und tragen allein oder zu zweien schwere Baumstämme, sie heben Lasten von vielen Zentnern, ohne daß man ihnen die geringste Anstrengung anmerkt. Den Schluß bildete eine Massenvorführung von zwei Dutzend Eisbären, die sich dabei als verhältnismäßig gutmütige Tiere geben und sich von einer einzigen Dame, Frl. Bébé, beherrschen lassen. Alles in allem: die Hagenbeck-Schau bietet in abwechselungsreicher Fülle Vorzügliches, so daß der Besuch des Unternehmens nur empfohlen werden kann.

Ueber 1600 Mark Goldgeld sind gestern nachmittag an der Kasse der Hagenbeck-Schau umgewechselt worden, weil das Unternehmen für jedes Goldstück einen Freiplatz gewährt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Fußballsport. Heute findet auf dem Sportplatze der Richard-Wagnerstraße nach langer Zeit wieder ein Wettspiel zwischen zwei Ligamannschaften statt. Die spielstarke und schnelle Mannschaft des Kölner Turnvereins von 1843 wird dem Bonner Fußballverein eine sehr harte Nuß zu knacken geben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Sicherung der Bierlieferung an die Feldtruppen. Wie die Biereinkaufszentrale der Heeresverwaltung mitteilt, hat sich die stellvertretende Intendantur des 3. Armeekorps veranlaßt gesehen, 98 Brauereien die weitere Zuweisung der Gerste durch die Gersteverwertungsgesellschaft bis auf weiteres zu sperren, weil diese Brauereien ihren Verpflichtungen zur Lieferung ausreichender Mengen Bieres für die Versorgung des Feldheeres nicht im gewünschten Maße nachgekommen sind. Im übrigen erkennt die Heeresverwaltung an, daß die überwiegende Mehrzahl der deutschen Brauereien ihrer Verpflichtung, in erster Linie für unsere kämpfenden Truppen zu sorgen, nach Möglichkeit nachgekommen ist. Erneut sind die Brauereien darauf hingewiesen worden, daß es unbedingt geboten erscheint, unter Zurücksetzung privater Interessen unter allen Umständen die für die Feldtruppen erforderlichen Biermengen bereitzustellen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)