Mittwoch, 19. April 1916

     

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. April 1916Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. April 1916Butter-Verkauf. Die Menge der in dieser Woche zu beziehenden Butter- und Margarinemenge beträgt wieder ein Fünftel Pfund auf die Person. Auch die Preise sind unverändert. Der Butterverkauf wird auch in dieser Woche noch nicht nach den Nummern der Brotbücher geregelt, diese Aenderung wird erst nächste Woche durchgeführt und vorher noch besonders bekannt gemacht werden.

Der Bonner Wehrbund unternahm am verflossenen Sonntag einen Marsch in die Baumblüte des Vorgebirges. Ihre Glanztage waren freilich vorbei, doch immerhin war sie noch sehenswert wenn auch ihr Gewand nicht mehr blendend weiß war. Im strammen Schritt wurde in der Zeit von drei Stunden über Endenich, Lessenich, Oedekoven, Gielsdorf, Alfter und Dransdorf nach Bonn zurückmarschiert. Trotz der verhältnismäßig kurzen Marschzeit fanden die strammen Jungmannen noch reichlich Zeit von den schönsten Punkten aus zu herrlichen Bildern auf das zu ihren Füßen liegende gesegnete Fleckchen Erde, das zur Erntezeit reiche Frucht verheißt, und weit über den Rhein hinweg bis zu den Höhen des Bergischen Landes und unseren sieben Bergen mit ihren schönen Linien.
   An den beiden Ostertagen wird ein Marsch in den Westerwald unternommen, der von Altenkirchen ausgeht, die schönsten Punkte des Bonner Weges berührt und in Siershahn endigt. Für Kirchgang wird Sorge getragen.

Anzeige in der Bonner Zeitung vom 19. April 1916Anzeige in der Bonner Zeitung vom 19. April 1916Die Hagenbeckschau, das bekannte und berühmte Hamburger Unternehmen Hagenbecks, beginnt am kommenden Samstag hier, am Adolfsplatz eine Reihe von Vorstellungen. Die Hagenbeckschau weist einen reichen und kostbaren Tierbestand auf: Löwen, Tiger, Elefanten, Eisbären, braunen Bären, Lamas, Zebras, Dromedare, Kamele u. a. Auch finden in der Hagenbeckschau Vorführungen ausgezeichneter Artisten, Akrobaten, Seiltänzer, Fangkünstler usw. statt. Da die Hagenbeckschau schon vor einigen Jahren einmal Vorstellungen in Bonn gegeben hat, ist sie den Bonnern nicht mehr fremd und steht mit ihren Leistungen noch in bester Erinnerung.
   Hagenbeck hat, wie an anderen Plätzen, auch hier in Bonn die dankenswerte Einrichtung getroffen, daß an Wochentagen bei der Einwechslung von Goldgeld an der Kasse Freikarten ausgegeben werden, und zwar bei Einwechslung eines Zwanzigmarkstückes eine Freikarte für den ersten Platz, bei der Einwechslung eine Zehnmarkstückes eine Freikarte für den zweiten Platz. Hagenbeck hat es auf diese Weise erreicht, im letzten Monat über 6000 Mark in Gold an die Reichsbank abliefern zu können.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Das anhaltende Regenwetter will unseren Landsleuten schlecht behagen. Alle Arbeiten im Garten und Feld werden aufgehalten, besonders da, wo schwerer Boden vorherrscht. Die Hafersaat ist noch lange nicht beendet, Frühkartoffeln können nicht in die Erde gebracht werden, und die vorbereitenden Arbeiten für die Spätkartoffeln verzögern sich sehr. Dagegen sind die Hoffnungen auf ein gutes Obstjahr durch die nasse Witterung bis jetzt noch nicht beeinträchtigt. Das Wintergemüse hat sich vortrefflich entwickelt und wird teilweise als Schneidgemüse schon zu Markt gebracht; auch die Wintersaaten haben ein gesundes Aussehen und gehen recht kräftig ins Frühjahr hinein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)