Sonntag, 2. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 2. April 1916Arndt-Eiche in Eisen. In der verflossenen Woche wurden wieder manche Nägel, Adlerfedern und andere Zierrate für die Eiche gestiftet, so von der Skatgesellschaft B.B.F., den Augustinerinnen aus dem Albertinum und der 2. Kompagnie des 1. Landsturm-Bataillons Bonn. Zur Nagelung erschienen alsdann der Poppelsdorfer Kinderhort und der Kessenicher Kindergarten, am gestrigen Geburtstage Bismarcks das Drammersche Lyzeum, der Bismarcktisch der Lese- und Erholungsgesellschaft und der Liberale Bürgerverein in Bonn.
  
Heute, Sonntag, werden um 10½ das Pfandfinderkorps und nachmittags 5½ Uhr das Bonner Stadtsoldatenkorps zur Nagelung erscheinen.
   Die Gesamteinnahme beträgt bisher rund 56.800 Mark. Der Betrag des eingetauschten Goldes beläuft sich auf ungefähr 10.000 Mark.
    Wegen des edlen Zweckes unserer Arndt-Eiche werden unsere Mitbürger, die noch nicht für die Eiche gespendet haben, gebeten, ihr doch baldigst eine Gabe zuzuwenden.

Im Metropoltheater beginnt morgen, Montag, die Aufführung des neuen Riesenfilms „Nero“. Die in acht Akten eingeteilte Handlung dieses Werkes ist nach den Aufzeichnungen des römischen Philosophen und Geschichtsschreibers Sueton zusammengestellt. Die Aufführung wird von Chorgesängen des Kölner Solistenquartetts begleitet.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 2. April 1916Brennt niemals wieder Petroleum! Der Krieg hat eine tief einschneidende Wirkung, aber dieses Mal in einem erfreulichen Sinne, gehabt auf die Verdrängung des Petroleums. Weil von Amerika keines mehr hereinkommt, hat die Gasbeleuchtung einen außerordentlichen Aufschwung genommen, noch weit stärker, als das noch zu Friedenszeiten der Fall war Aber nicht nur während der Kriegszeit, sondern auch späterhin wird es dauernd von größter Wichtigkeit sein, die Petroleumverwendung zu vermeiden; denn es sind lange Zeit hindurch früher jährlich bis zu 120 Millionen Mark für Petroleum an Amerika von deutscher Seite bezahlt worden. Unzweifelhaft wird nach Friedensschluß die Notwendigkeit vorliegen, eine Reihe von Stoffen, z. B. Baumwolle, aus dem Auslande in größeren Mengen alsbald zu beziehen. Jedermanns Pflicht ist es aber, an seinem Teil darauf hinzuwirken, daß der Geldabfluß an das Ausland für Einkauf nicht größer wird, als unbedingt notwendig ist, sondern daß wir unser Geld für uns behalten, dessen wir für vieles, das nach dem Krieg neu aufgebaut und neu geschaffen werden muß, dringend bedürfen. Also deshalb: niemals wieder Geld für Petroleum an Amerika!

Ausfuhr von Fett, Speck und Eiern. Wie der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses in der heutigen Nummer unseres Blattes mitteilt, bedarf die Ausfuhr von Fett und Speck aus dem Landkreis Bonn von heute ab der Genehmigung des zuständigen Bürgermeisters. Der Bürgermeister kann die Ablieferung der Waren für die Volksernährung gegen Entrichtung des Höchst- oder eines dem Wert der Ware entsprechenden geringeren Preises verlangen. Die Ausfuhr von Eiern aus dem Kreise ist verboten.

Grober Unfug. Eine Dame von hier stellt uns eine der bekannten „Kettenkarten“ zur Verfügung, die ihr dieser Tage durch die Post zuging. Außer einem Spruch, der sich auf den gegenwärtigen Krieg bezieht, enthält die Karte die Aufforderung, den Inhalt ohne Unterschrift neun Tage lang jeden Tag einem anderen zu senden. Jeder, der diesen Spruch weitergibt, soll am neunten Tag eine große Freude erleben, der aber dies unterlässt, kein Glück mehr haben. Obwohl die Behörde immer wieder vor der Weiterverbreitung dieser Karten warnt, gibt es doch noch ängstliche Gemüter, die den Unfug aus Furcht vorn dem angedrohten Unglück durch Abschreiben des Spruches fördern. Leider ist es bislang nicht gelungen, der Urheber habhaft zu werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Soldatenheim im Gesellenhause, Kölnstraße. Der reichhaltige Tagesplan für den morgigen Sonntag sieht u. a. vor: einen Vortrag des Herrn cand. jur. Kleinsorg über die Bilanz des Weltkrieges (1. Fortsetzung), das Duett „Eine musikalische Ehe“, Zauberkunststücke des Herrn Joh. Plötz und die Deklamation „Max und Moritz“ (mit Lichtbildern) von Herrn Schröder. Mögen recht viele Soldaten jedweden Bekenntnisses an den Veranstaltungen teilnehmen. – Lesesaal, Bücherausleihstelle und Schreibzimmer sind von 2 Uhr an geöffnet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)