Tageschronik

Erster Weltkrieg in Bonn

Auf dieser Seite werden im Laufe der Zeit 2014 –2018 für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, genau 100 Jahre danach lokale Nachrichten aus Bonner Zeitungen, z. T. ergänzt durch Bekanntmachungen und Werbeanzeigen, Auszüge aus Briefen und Tagebüchern, erscheinen. Auf diese Weise wird ein sich ständig erweiterndes Kalendarium entstehen, das Einblicke in den Bonner Alltag während des Großen Krieges gibt und zeigt, welche Auswirkungen das Kriegsgeschehen auf das tägliche Leben hatte.

Die Informationen zum politischen Geschehen bzw. zu Kriegshandlungen, die zum Teil den Tagesnotizen vorgeschaltet sind, sind möglichst kurz gehalten und beschränken sich auf bedeutende Ereignisse. Wir verzichten auf weitere Hintergrundinformationen und Erklärungen, sondern lassen die Texte für sich sprechen in der Hoffnung, dass sie die Leserinnen und Leser zum Nach- und Weiterdenken sowie zum eigenen Weiterforschen anregen.

Was wir hier präsentieren, ist natürlich in mehrfacher Hinsicht subjektiv. Viele der täglichen Meldungen sind natürlich geprägt durch die ideologische Ausrichtung der Zeitungen, denen sie entnommen sind. Sie spiegeln somit nicht immer die Realität wider, sondern wollen die Meinung ihrer Leser und Leserinnen bilden: Sie wollen u.a. Stimmungen – z.B. Kriegsbegeisterung - erzeugen und verstärken, Einstellungen – z.B. Opferbereitschaft – prägen, Ängste – z.B. vor ausländischen Spionen – schüren, an den Patriotismus appellieren - z.B. durch Aufrufe zum Boykott ausländischer Erzeugnisse oder zur Änderung ausländischer und ausländisch klingender Namen. Nicht zuletzt unterliegt die Presse ab Kriegsbeginn zunehmend der staatlichen Zensur.

In den exemplarisch ausgewählten Werbeanzeigen wird sichtbar, wie schnell der Krieg die „Heimatfront“ erreicht. Die Firmen werben z.B. zunehmend mit Produkten, die den „Kriegern“ als „Liebesgaben“ ins „Feld“ geschickt werden sollten. Andererseits zeigen Theater-, Kino- und Konzertprogramme – nachdem bei Kriegsbeginn zunächst auf sämtliche „Lustbarkeiten“ verzichtet werden sollte -, die Rückkehr in den scheinbar ganz normalen Alltag. Zwar präsentieren Theater und Kino auch patriotische Stücke und Kriegsfilme, aber „das Heitere“ kommt nicht zu kurz.

Subjektiv ist auch die Auswahl der Texte, die das Team der Bonner Geschichtswerkstatt vorgenommen hat, um zu zeigen, in welcher Weise der Krieg sukzessive alle Bereiche des Alltags durchdringt. In den ersten Kriegswochen haben wir noch Meldungen über Verluste und Nachrichten oder über die Verleihung des Eisernen Kreuzes aufgenommen. Schon nach kurzer Zeit sind diese Listen so lang, dass wir auf die Wiedergabe verzichten.

Nicht zuletzt sind auch die Tagebucheinträge und Briefe subjektive Zeugnisse der Schreibenden und von uns subjektiv ausgewählte Ausschnitte.

Vier Zeitungen mit aktuellen Nachrichten erschienen in der Zeit des Ersten Weltkriegs in Bonn und dienten uns als Quellen: die national-liberale Bonner Zeitung, der „farblose“ General-Anzeiger für Bonn und Umgebung, der als Anzeigenblatt 1889 ins Leben gerufen wurde, sich parteipolitisch und konfessionell neutral gab und bis zum Beginn des Krieges statt Nachrichten nur Anzeigen auf der Titelseite brachte, die Deutsche Reichs-Zeitung, das Organ des katholischen Bürgertums und der Volksmund, das Sprachrohr der „progressiven Kräfte“, wie sich die Zeitung selbst charakterisierte. Die drei erstgenannten Blätter kamen täglich (auch sonntags) heraus, die Reichs-Zeitung anfangs sogar mit einer Vorabend- und einer Morgenausgabe, der Volksmund erschien nur mittwochs und samstags, im weiteren Kriegsverlauf nur noch mittwochs.