Mittwoch, 27. November 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. November 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 27. November 1918Alle Wehrpflichtigen, die vor dem 1. August 1914 ihren Wohnsitz nicht im linksrheinischen Gebiet hatten, müssen, wie das stellvertretende Generalkommando und der Soldatenrat der 8 Armee bekannt machen, das bis zu 10. Dezember 1918 verlassen haben, da sie sich sonst der Gefahr der Internierung aussetzen.

Streupflicht der Anlieger an den Durchmarschstraßen. Die Straßen sind jetzt infolge der Novemberwitterung frühmorgens sehr glatt und es ist unabweisbare Pflicht der Anlieger, den Durchmarsch der Truppen durch Bestreuen der Straßen mit Asche oder anderem abstumpfenden Material zu erleichtern. Jeder bedenke, daß es seine vaterländische Pflicht ist, auch an seinem Teil dazu beizutragen, daß der uns durch unsere Feinde mit aller Härte aufgezwungene Rückmarsch ordnungsmäßig verläuft, damit nicht noch viele Deutsche gezwungen werden, in Feindeshand zuguterletzt ins Gefängnis zu kommen.

Die Beethovenhalle, die seit Kriegsbeginn als Lazarett gedient hat, wird zurzeit geräumt. Am letzten Samstag hatten die Schwestern des Lazaretts noch einmal eine schlichte Weihnachtsfeier für die Verwundeten veranstaltet, die Kosten dafür waren schon früher durch einen „bunten Abend“ und durch Spenden aufgebracht worden. Der Chefarzt des Reservelazaretts III, Geheimrat Schmidt, nahm in seiner herzlichen Ansprache Abschied von den noch etwa 80 Verwundeten und dankte den Schwestern für ihre unermüdliche, treue Fürsorge. Pfarrer Dr. Richter gedachte der über vierjährigen aufopfernden Tätigkeit der Aerzte. Beide Redner dankten zum Abschied den tapferen Kameraden für alles, was sie in vierjährigen Kämpfen und Opfern für das Vaterland getan, und wünschten ihnen baldige Gesundung und Heimkehr. Im kommenden Frieden sollte wieder aufgebaut, was zerstört und verloren se; denn Deutschland könne nicht untergehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Arbeiter-, Bürger- und Soldatenrat. In der gestrigen Sitzung rief die Mitteilung, daß die Militärbehörde den vom ABS-Rat eingesetzten Transportausschuß ohne vorheriges Einvernehmen mit dem Rat aufgelöst hat, großen Unwillen bei einigen Mitgliedern hervor. Die Mitglieder Niedermair und Schmock erhoben gegen dieses eigenmächtige Vorgehen des Offizierkorps der 18. Armee energischen Einspruch. Sie forderten die Wiedereinsetzung des Transportausschusses, damit wenigsten der Zivilbevölkerung die nötigen Reiseausweise beschafft werden könnten. Es ginge nicht an, das ein mit den Verhältnissen nicht vertrauter Schalterbeamter oder eine Beamtin die Reiseerlaubnis geben oder verweigern könne. Wie Herr M. Schmitz mitteilte, sei der Major, der die Auflösung des Transportausschusses angeordnet habe, der Meinung gewesen, dem ABS-Rat damit einen Gefallenen zu tun. [...] Man könne ja auch froh sein, daß der militärische Reiseverkehr jetzt durch das Militär geregelt werde. Am besten treffe man wegen des Reiseverkehrs für die Zivilbevölkerung Abmachungen mit dem Bahnhofsvorstand. [...] Die Zivilpersonen müßten sich die Reiserlaubnis erst vom zuständigen Polizeikommissar bescheinigen lassen und aufgrund dieser Bescheinigung soll dann die Erlaubnis am Bahnhof erteilt werden. Die Versammlung erklärte sich mit diesem Vorschlag einverstanden. [...]Wegen des in der vorigen Sitzung erwähnten Aufrufs des Oberbefehlshabers Hutier sei eine Einigung mit der Militärbehörde erzielt worden. Am Schluß des Aufrufs wird der Satz hinzugefügt: „Die Tätigkeit des ABS-Rats der Stadt Bonn im bisherigen Umfange und soweit sie nicht in die militärischen Kommandogewalt eingreift, wird durch die vorstehenden Bestimmungen nicht berührt.“ Hierdurch sei der ABS-Rat von der Militärbehörde anerkannt worden. [...]

Dolmetscher gesucht. Die städtische Verwaltung sucht Herren, die die französische oder englische Sprache vollkommen beherrschen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Kundgebung der Bonner Polizei-Beamten in der Versammlung der städtischen Beamten und Angestellten der Stadt Bonn am 22. November 1918. Die Umwälzung im Deutschen Reich hat besonders die Polizei in Mitleidenschaft gezogen. An der großen Abneigung, die gegen die Polizei allgemein in der Forderung der Entwaffnung derselben zum Ausdruck kommt, tragen weniger die einzelnen Polizei-Beamten, als die ganze Einrichtung die Schuld. Der alte Polizeistaat ist nunmehr zusammengebrochen und ein neuer Staat nach freiheitlichen Richtlinien ist im Werden begriffen. Die jetzt beginnende Neuordnung auf demokratischer Grundlage stellt deshalb gerade der Polizei hohe und wichtige Aufgaben. Es ist die Pflicht eines jeden Polizei-Beamten, hierbei mitzuhelfen, weil die Polizei auch im neuen Staatsleben zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung nicht entbehrt werden kann. Wenn das neue Staatsgebäude, zu dem jetzt der Grundstein gelegt worden ist, ein festes, dauerndes Gefüge erhalten soll, so wird gerade die Polizei ein Eckpfeiler werden müssen, der allen späteren Stürmen Trotz bietet. Es heißt jetzt auch die Polizei auf diese neuen Verhältnisse einzustellen. Sie darf in dem neuen Hause nicht mehr als ein notwendiges Uebel und als eine vom Publikum gefürchtete Einrichtung gelten, sondern sie muß als die zuverlässigste Stütze des gesamten Staatsordnung, frei von jeder Bevormundung und Bürokratie, getragen von dem Vertrauen der Bürgerschaft ein Beschützer und Berater für jeden Bürger sein. [...]

Kriegsnotgeld. Die Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und der Siegkreis geben unter ihrer Gewähr weiteres in diesen Kreisen gültiges Kriegsnotgeld in Scheinen zu 50 und 25 Pfg. aus. Diese Scheine haben auf der Vorderseite auf farbigem Untergrund das Bonner Wappen und in Mittel- und Eckschildern die Wertangabe; die farbige Rückseite enthält die Bonner Rheinbrücke und zu beiden Seiten derselben die Wertangabe. Die 50 Pfg.-Scheine sind grün, die 25 Pfg.-Scheine blau.

Vom Rhein. Ein ungewöhnlich kleiner Wasserstand ist gegenwärtig zu verzeichnen. So klein wie jetzt ist der Rhein lange nicht gewesen; im allgemeinen herrscht um diese Jahreszeit gutes Fahrwasser. Bei dem klaren, mit Nachtfrost verbundenem Wetter ist mit weiterem Rückgang zu rechnen. Die tiefgehenden Schiffe können schon längst nicht die volle Last nehmen, und vielfach sind zu tief beladene Fahrzeuge vor Anker gegangen. [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)