Dienstag, 8. Januar 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Januar 1918Sammlung von Abfallstoffen jeder Art. Für die Rohstoffversorung unserer Kriegswirtschaft und für die Volksernährung ist es eine zwingende Notwendigkeit, eine möglichst restlose Ausnutzung und Wiederverwertung aller gewerblichen und Haushaltsabfälle herbeizuführen. Aus diesem Grunde ist in Bonn in Anlehnung an die Berliner Landesstelle ein örtlicher Kriegsausschuß für Sammel- und Helferdienst eingerichtet, dessen Leitung im Auftrage des Lebensmittel-Ausschusses Herr Dr. Krantz übernommen hat. Der Nationale Frauendienst (Hauswirtschaftliche Kriegshilfe) hat sich hinsichtlich seiner Sammeltätigkeit diesem örtlichen Kriegsausschuß angeschlossen. Die Sammelstelle befindet sich im Hause Stockenstr. 3 und ist werktäglich vormittags von 9 bis 12 und nachmittags von 3½ bis 6 Uhr geöffnet. Die Sammelstelle ist im Gegensatz zu der im Schlachthof nach wie vor befindlichen Metallsammelstelle so bequem wie möglich für die Bevölkerung gelegt worden. Zunächst werden Kaffeegrund, Obstkerne, Papierabfälle, Gummiabfälle, Korke, Frauenhaar, Konservendosen, Sparmetalle aller Art, Flaschen, Stoffe und Sacklumpen und Küchenabfälle gesammelt. Alles Nähere, auch über die zu zahlenden Vergütungen, ist in der heutigen Anzeige des Kriegsausschusses ersichtlich.
   Bürger bedenkt, daß in diesem schweren Kampfe heutzutage nichts wertlos ist. Stärkt vor allen Dingen den Sinn der Jugend für eine eifrige Sammeltätigkeit, und ihr Hausfrauen, seht noch einmal alle Winkel eurer Wirtschaft durch, ihr werdet doch noch vieles finden, was lediglich als Schmutzfänger dient, aber bei der Ablieferung an die Sammelstelle dem Vaterlande nützen kann. Viele Wenig machen ein Viel. Wir hoffen auch, daß unsere bei allen Kriegsmaßnahmen so gern und erfolgreich mitarbeitende Lehrerschaft bei den Schulkindern den lebhaftesten Eifer für alle geplanten Sammlungen wecken wird. Wie wir hören, ist auch beabsichtigt, Sammelbücher herauszugeben, in die den Kindern bei der Ablieferung einzelner Gegenstände Marken geklebt werden und die dann das sammelnde Kind bei Ablieferung eines mit Marken vollgeklebten Buches berechtigen, einen bestimmten Betrag oder Lebensmittel, wie Zucker, Graupen, Gries usw. in Empfang zu nehmen. Der Opfersinn der Bonner Bevölkerung wird auch bei dieser neuen Sammlung vaterländischer Kriegswirtschaft, wie wir hoffen, nicht versagen.

Für die Verteilung von Nähfäden und Nähzwirn haben Kleinhändler, Verarbeiter und Anstalten bis 14. Januar dem städtischen Bekleidungsamt ihren Bedarf anzumelden. Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Oberbürgermeisters.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Januar 1918Schwere Einbruchdiebstähle. Aus Godesberg, 7. Jan., wird berichtet: der großen Anzahl von Einbruchdiebstählen, die in der letzten Zeit hier in Godesberg und besonders in Mehlem vorgefallen sind, ist unsere Polizei nunmehr auf der Spur. Durch Abhaltung mehrerer Haussuchungen hat man hier und in Bonn noch größere Teile der gestohlenen Sachen versteckt vorgefunden, wie Treibriementeile, Schuhe, Decken, Konserven, Zigarren usw., die alle von diesen Diebstählen herrühren und von den Bestohlenen anerkannt worden. Auch von den zwei geschlachteten Schweinen, die kürzlich in Mehlem aus dem Rauchfange nachts gestohlen worden sind, fanden sich noch größere Vorräte vor. Alles Uebrige war bereits verkauft, wie überhaupt alles Wertvolle, was dem Verderben ausgesetzt war, vom Dieb und seinen Hehlern stets rechtzeitig veräußert worden war. Als Täter aller dieser Verbrecherfälle ist ein Soldat festgestellt worden, der sich schon längere Monate hindurch in einer Genesungskompagnie in einem Städtchen am Rhein oberhalb Godesbergs befindet und von dort aus sein Räuberhandwerk betreibt. Da er in früheren Jahren in Godesberg und Mehlem als Gartenarbeiter viel beschäftigt war, besaß er große Ortskenntnisse. In der Rheinstraße in Rüngsdorf hatte er für die Unterstellung seiner Beute ein Zimmer gemietet. Außerdem waren bei seiner Schwester hier und bei sonstigen Verwandten in Bonn Hehlerräume vorhanden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

Ein Mahnruf an Wohnungsvermieter. Kommt man heute, um sich eine Wohnung anzusehen, so ist in den meisten Fällen die erste Frage: Haben Sie auch Kinder? Im bejahenden Falle ist die Wohnung dann nicht zu haben. Und so etwas kann man erfahren in einer Zeit der großen Wohnungsnot. Die Vermieter sollen doch Nachsicht gebrauchen und sich auch etwas nach der ernsten Zeit richten. Vielfach ist der Vater, dessen Kinder wegen die Mutter die Wohnung nicht haben kann, im Felde und leidet für die Vermieter mehr Not, als der Vermieter Unannehmlichkeiten durch Kinder erduldet. Wenn wir nicht so reich an Kindern wären, wo würde heute Deutschland sein? F. T.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Deutsche Vaterlandspartei. Die Ortsgruppe Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei hielt am Sonntag in Bonn, Beuel und Godesberg Versammlungen ab, um die durch die deutsch-russische Friedenskundgebung vom 25. Dezember geschaffene Lage zu besprechen. […]
   In der Beueler Versammlung, die sehr gut besucht war, behandelte als erster Redner Kaplan Schopen aus Godesberg die Frage: Wofür kämpft und leidet das deutsche Volk? Der zweite Redner, Pfarrer Lahusen aus Beuel, sprach über das Glück des Friedens. Geheimrat Dyroff aus Bonn, der die Versammlung leitete, dankte den Rednern für ihre mit großem Beifall aufgenommenen Vorträge und erinnerte daran, daß der Mangel an Nationalbewußstsein auch die Ursache der napoleonischen Unterjochung gewesen sei. Die Versammlung schloß mit dem gemeinsamen Gesang von Deutschland über alles. In derselben Zeit wie in Beuel fand in Godesberg eine Versammlung der Deutschen Vaterlandspartei statt, in der Dr. R. F. Günther aus Bonn denselben Gegenstand behandelte und in einstündiger Rede unser Verhältnis zu England, dem unversöhnlichen Gegner, auseinandersetzte und darlegte, daß unser Heer für das Dasein des deutschen Volkes kämpfe, für die Erhaltung des Deutschtums und für die Mehrung der deutschen Volkskraft. Die Versammlung war über alles Erwarten gut besucht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)